Recyclingkunst

"Das grüne Grauen hat begonnen"

“PETing” heißt die künstlerische Spielart, mit der Leo Haz aus Braunau Plastikmüll neues Leben einhaucht.

PET-Stuhl: „Wenn man ein Objekt seiner Funktion enthebt, wird es zum Kunststück“, erklärt der Braunauer Künstler und hat aus Mineralwasserflaschen einen Stuhl kreiert.

Polyethylenterephthalat, kurz PET, ist der Stoff, aus dem für den Braunauer Leo Haz Kunstträume gemacht sind. Nachts geht es heiß her, wenn sich der junge Künstler in seine unterirdische Werkstatt begibt und selbstausgetrunkene Mineralwasserflaschen einschmilzt. Für dieses Verfahren, dem Recycling von Thermoplasten, hat er sogar ein Patent.

„Es ist nur Müll, aber er ist da. Und zwar reichlich“, so die simple Erklärung. Etwas mehr steckt aber doch hinter der Materialauswahl, wie Leo Haz erklärt: „Der Hintergedanke ist, dass wir vielleicht alle Flaschen sind, die den Planeten als Wohnzimmer mit Ölteppich nutzen. Im Garten Eden steht jetzt ein Treibhaus von IKEA.“

"PETing"

Sein bekanntestes Werk ist der PET-Stuhl. Der Ausgangspunkt war Joseph Beuys’ Fettstuhl, der durch eine Kante ranzigen Fetts zum Kunstwerk erhoben wurde. In der Anti-Kunst geht es darum, einen Gegenstand zu entfremden. Auch Leo Haz’ Stuhl wurde seiner eigentlichen Funktion beraubt. Ihm fehlt die Sitzfläche, er ist schief und ausdrücklich kein Designermöbelstück, wie der ambitionierte Künstler gegenüber potentiellen Kunden immer wieder betonen muss: „Meine Werke sind unverkäuflich. Irgendwann marschiere ich mit einer Armee grüner Männchen in das New Yorker Guggenheim Museum ein. Das grüne Grauen hat begonnen. Die Natur wird verlieren.“ Vorerst ist eine Ausstellung seiner Installationen in der Braunauer „Artellerie White Cuba“ geplant.

Leo Haz Art with PET Cat story

Leo Haz führt seine PET cat spazieren.

Spannungsfeld

Leo Haz’ Schaffen bewegt sich im Spannungsfeld der Wegwerfgesellschaft: „Einerseits brauchen wir die Natur zum Leben, andererseits zerstören wir sie aus Bequemlichkeit. Ich will aus toten Gegenständen, die für uns nur überflüssiger Müll sind, lebendige Kunst machen.“ Eine Missionarsreise durch Armendörfer des ehemaligen Jugoslawien war der Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen. Der Kontrast zwischen fast unberührten Landstrichen und Mülldeponien, auf denen Menschen hausen, prägte den damals 26-Jährigen: „Diese Polarität hat mich emotional sehr berührt und mir wurde klar, dass ich um jeden Preis Künstler werden muss.“ Leo Haz beschreibt seine Arbeit seither als „Prozess, bei dem ich eigentlich nur zuschauen kann. Die Kunst macht, was sie will. Ich bin nur das Instrument“.

Quelle: Kurier, Text: Raffaela Lindorfer, Fotos: Manfred Fesl, 28.01.2012

„Flasche leer – Kunst her!"

Leere Flaschen haben es ihm angetan. Genauer gesagt leere PET-Flaschen. Gewöhnliche Plastikflaschen werden bei dem Braunauer Künstler Leo Haz zu erstaunlichen Kunstwerken.

„Das Leben ist wie eine Flasche: wenn man es auf den Kopf stellt, kommt mehr dabei raus“, erzählt der Braunauer Leo Haz, mit einem Augenzwinkern. Doch hinter diesem Credo steckt mehr, als man denkt.

Flasche leer – Kunst her!

Die PET-Kunst kam allerdings nicht einfach so “über Nacht”. Leeren PET-Flaschen neues, stilvolles Leben einzuhauchen hat auch einen sehr ernsten Hintergrund. Eine Reise nach Montenegro öffnete Haz die Augen. Arme Menschen, die mit Müll aus den Deponien am Meer ihre Baracken gebaut haben, waren seine Inspiration. Nach und nach manifestierte sich der Gedanke zum „künstlerischen Mehrwert“ in Leo Haz‘ Kopf. “PET PUR” soll ausdrücken, was in seinen Kunstwerken zu sehen und zu spüren ist: PET-Flaschen „ohne Zusatzstoffe“. Eben pur.

Erleuchtung, Kunstobjekte und Patent

Die kunstvollen “Objekte der Begierde” aus dem Atelier von Leo Haz sind neben originellen Skulls (Totenköpfen) für namhafte Auftraggeber auch Lampen aller Art. Seit sieben Jahren hat Leo Haz jeden Tag einen handskizzierten Entwurf gefertigt. Aus rund 2.500 Entwürfen von Hängelampen, Stehlampen und Tischlampen sind fünf Modelle entstanden, die realisiert wurden. Designerkataloge dienten als Ideengeber, doch mit einem entscheidenden Unterschied: Der Lampenschirm wird bei Leo Haz eben aus PET gefertigt. Das Licht und die Originalfarben der PET-Flaschen gehen eine Symbiose ein, die fasziniert.

Diese Art des „Kunststoffschweißens“, wie Haz es vereinfacht bezeichnet, ist ein eigens entwickeltes Verfahren, das er sich sogar patentieren hat lassen.

Was dahinter steckt

In seinen Kunstobjekten steckt das drin, was wir Menschen im “normalen Leben” wegwerfen. Er interpretiert es neu, formt etwas daraus und brennt für seine Leidenschaft. Das ist die Kunst: Aus „nichts“ etwas Geniales machen zu können.

Quelle: MeinBezirk, Text: Christina Burgstaller, Fotos: Leo Haz, 23.12.2020